Was beschäftigt uns aktuell weltweit?

Die US-Wahlen und Frauen, die eine wichtige Rolle dabei spielen

Wir befinden uns gerade in der heissen Phase der bevorstehenden US-Herbstwahlen. Dabei möchten wir Sie gerne mit ein paar Gedankenanstössen dazu anregen, das Augenmerk auf die Frauen zu richten, die wir nachstehend vorstellen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie die Wahlen massgeblich beeinflussen. Ausserdem gilt es auch einen Blick in die eigenen Reihen zu werfen:
Welche Verläufe haben die Entwicklungen weiblicher Topkader aufgrund von Covid-19 genommen?
Frauenporträt: Ruth Bader Ginsburg

Die amerikanische Bundesrichterin Ruth Bader Ginsburg wird von den Linken verehrt, von den Rechten bekämpft und doch gilt sie als wahre Vorreiterin im Kampf für Gleichstellung. Sie setzte sich unermüdlich für gleiche Rechte für alle ein. Als Anwältin demontierte sie schrittweise Gesetzte, die Frauen und Männer ungleich behandelten. Mit dem Leitgedanken “gleiche Rechte für Männer” wollte sie bewusst aufzeigen, was gesetzliche Ungleichbehandlungen aufgrund des Geschlechts bedeuten kann. Einer der prominentesten Fälle ereignete sich im Jahre 1975: Ein Mann, dessen Frau am Kindbett verstorben war, forderte für ihr gemeinsames Kind eine Witwerrente. Diese wurde ihm jedoch nicht zugesprochen. Warum soll in einer solchen Situation der Frau die finanzielle Unterstützung zugestehen, einem Mann aber nicht? Anhand solcher Fälle wollte sie auf die gesetzliche Ungleichbehandlung zwischen Frau und Mann hinweisen und meinte: “Ich bitte niemanden um einen Gefallen für unser Geschlecht. Ich verlange von unseren Brüdern nur, dass sie ihre Füsse von unserem Genick nehmen.”
Weshalb ihre Karriere als Anwältin und Bundesrichterin am Obersten Gericht möglich war, ist nicht zuletzt ihrem Ehemann Martin Ginsburg zu verdanken. Er stellte seine Laufbahn als Steueranwalt hintan, um den häuslichen Tätigkeiten nachzugehen und sie in ihren Tätigkeiten zu unterstützen – ein aussergewöhnlicher Schritt zur damaligen Zeit. Das Anfeuern und Unterstützen des Partners hat jedoch insbesondere aus feministischer Sicht etwas Zwiespältiges an sich. So heisst es doch, dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau steht. Der Umkehrschluss jedoch ist eigentlich nicht zulässig. Denn braucht eine emanzipierte Frau für ihren Erfolg tatsächlich einen starken Mann im Hintergrund? Besteht das eigentliche Ziel nicht darin, eine Zusammenarbeit und einen Dialog von Frau und Mann auf Augenhöhe anzustreben?

Der vollständige Artikel zum Nachruf von Ruth Bader Ginsburg finden Sie unter folgendem Link in der Zeit:
https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-09/nachruf-ruth-bader-ginsburg-richterin-supreme-court-usaF

(Foto: Goran Basic / NZZ)

Zukünftige Nachfolgerin: Amy Coney Barrett

Als Nachfolgerin Ruth Bader Ginsburgs wurde die konservative Juristin Amy Coney Barretts am 26.10. in das Amt des Supreme Courts offiziell vereidigt. Die streng katholische Richterin und Mutter von sieben Kindern galt schon vor einigen Jahren als Favoritin Trumps und des rechten, republikanischen Flügels. Mit ihrer Besetzung haben die Konservativen eine klare Mehrheit von sechs der neun Sitze am Supreme Court inne. Durch die Ernennung Barretts in das lebenslange Amt sehen viele Demokraten daher die Gefahr einer Machtverschiebung zu Gunsten der Republikaner, die unter anderem die Gesundheitsreform “Obamacare” und die liberale Regelung der Abtreibung beeinflussen kann. So könnte nicht nur die anstehende Präsidentschaftswahl die Dynamik der amerikanischen Gesellschaft nachhaltig verändern, sondern auch die Wahl Amy Coney Barretts als Richterin. In welche Richtung sie die politischen Entscheidungen beeinflussen wird? Das wird sich demnächst zeigen.

Der vollständige NZZ-Artikel zur Debatte im Supreme Court und zur Abstimmung Amy Coney Barretts finden Sie unter folgendem Link:
https://www.nzz.ch/international/usa-der-kampf-um-den-supreme-court-und-die-nachfolge-ginsburgs-ld.1577712

Barrett im Gespräch mit Kamala Harris, der Vizepräsidentschaftskandidatin der Demokraten
(Foto: Hilary Swift / AFP)

Kamala Harris, Vizepräsidentschaftskandidatin

Ein Gegenpol zur rechts-konservativen Barrett stellt die Senatorin Kamala Harris dar. Sie ist die demokratische Vizepräsidentschaftskandidatin Joe Bidens und würde bei dessen Wahl zum Präsidenten die Inhaberin des zweithöchsten Amtes Amerikas einnehmen. Kamala Harris Hingabe und Engagement, untermalt von ihrem scharfen Verstand und zielgerichtetem Fokus, macht sie zu einer starken Persönlichkeit im aktuellen Wahlkampf. Unterstützung erhält Sie dabei von ihrem Mann Douglas Emhoff, der von vielen als “Gegengift zur toxischen Männlichkeit” gesehen wird. Ähnlich wie bei Ruth Bader Ginsburg unterstützt Emhoff seine Frau auf deren Weg durch den Wahlkampf. Gilt dieser Akt der Unterstützung im Jahr 2020 noch als revolutionär? Oder sollte es nicht vielmehr schon eine Tatsache sein, sich einander zu unterstützten?

“If you have a caring life partner, you help the other person when that person needs it. I had a life partner who thought my work was as important as his, and I think that made all the difference for me.”
– Ruth Bader Ginsburg (Yahoo News with Katie Couric, July 30, 2014. Exclusive: Ruth Bader Ginsburg on Hobby Lobby Dissent)

Wie stehen Sie dazu?

Lesen Sie mehr über dieses Thema im folgenden NZZ-Artikel:
https://www.nzz.ch/gesellschaft/us-wahlen-der-mann-von-kamala-harris-begeistert-die-frauen-ld.1578035

Kamala Harris und ihr Ehemann Douglas Emhoff
(Foto: Keystone / Carolyn Kaster)

Reminder: Der Stichtag für die US-Wahlen ist der 3. November!

Coronakrise und Auswirkungen
Fokus Europa und Schweiz – Welche Entwicklungen/Trends waren hier zu finden?

AllBright Bericht

Eine Krise stellt nicht nur einen Bedrohungszustand für ein Unternehmen dar. In einer Krise werden Voraussetzungen für Veränderungen geschaffen. Werfen wir einen Blick über die Landesgrenze zu unserem Nachbar Deutschland, so ist in deutschen Unternehmen alles andere als eine Veränderung zu verzeichnen. Die AllBright Stiftung, welche den Frauenanteil in den Führungspositionen in den 30 DAX-Unternehmen untersucht, hat in ihrer letzten Ausgabe vom 7. Oktober einen massiven Rückgang von Frauen in den Vorständen vermerkt. In diesem Krisenjahr haben die DAX-Unternehmen noch stärker auf Männer anstelle von Frauen gesetzt. Der Frauenanteil ist nicht wie in den Vorjahren weiter angestiegen, sondern ist auf den Stand von 2017 zurückgefallen. Aktuell liegt er bei nur 12.8 Prozent. Ganz anders sieht es in anderen Ländern wie den USA, Grossbritannien oder Schweden aus, denen es gelingt, kontinuierlich vielfältige Führungsteams aufzubauen. Im internationalen Vergleich belegen die DAX-Unternehmen den letzten Platz. Die Geschäftsführung der AllBright Stiftung Wiebke Ankersen und Christian Berg äussern sich zu dieser Rückwärtsbewegung wie folgt: “Dieser Entwicklungsstand im Top-Management der deutschen Unternehmen passt nicht zum Selbstverständnis eines fortschrittlichen westlichen Industrielandes. Hier fehlt noch immer ein dringend notwendiger Modernisierungsschub. In der Krise auf vertraute Männer zu setzten, ist ein kurzsichtiger Reflex, der sich kurz oder lang rächen wird.” Dies zeigt, dass Vielfalt und Chancengleichheit in Geschäftsleitungen noch zu wenig verankert sind, denn gut ausgebildete Frauen stehen längst in grosser Zahl bereit. Der vollständige Bericht finden Sie unter folgendem Link:
https://www.allbright-stiftung.de/berichte

#ichwill… ein viraler Hit

Seit letzter Woche geht auf Instagram ein Video mit dem Hashtag #ichwill viral. In diesem Video fordern deutsche Persönlichkeiten mehr Chancengleichheit in deutschen Unternehmen. Das Schweizer Magazin “Annabelle” hat sich diesem Trend angeschlossen und ist auf folgende Zahlen gestossen: Nur gerade drei der 100 grössten Schweizer Firmen werden von einer Frau geführt. Auch in den Geschäftsleitungen sieht es nicht anders aus, denn gerade mal eine Frau kommt auf zehn Männer. Haben wir Ihr Interesse geweckt, den ganzen Artikel zu lesen? Hier geht es zum Text:
https://www.annabelle.ch/leben/wir-fordern-mehr-frauen-chefetagen-50799

Hier zum Video:
https://www.instagram.com/tv/CGUfKCYKH8C

schillingreport

Dieser sinkende Trend in Deutschland wirft folgende Frage auf: “Wie sieht die denn Lage im eigenen Land aus?”
Richten wir den Blick daher etwas zurück, nämlich auf den im anfangs März erschienen schillingreport. Seit rund 15 Jahren erhebt dieser Daten zur Zusammensetzung der Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte der rund 100 grössten Schweizer Arbeitgeber, mit einem besonderen Augenmerk auf das Thema Gender Diversity. In der am 6. März erschienen 15. Auflage – kurz vor dem Covid-19 Lockdown – verzeichnete man einen Anstieg des Frauenanteils in Topmanagement Positionen. Erstmals wurde die 10 Prozent Marke in den 100 grössten Schweizer Arbeitsgebern erreicht. Laut dem Herausgeber Guido Schilling befände sich die Schweiz an der Eintrittsschwelle einer beginnenden Bewusstseinsphase: Es forme sich allmählich das Verständnis, wie wichtig die Förderungen weiblicher Talente für die Unternehmen, deren Attraktivität und den Geschäftserfolg ist. Trotz dieses erfreulichen Zuwachses fällt der Frauenanteil, verglichen mit jenem von Deutschland (12.8 Prozent), 2.8 Prozent tiefer aus, wodurch die Schweiz im internationalen Vergleich eher das Schlusslicht einnimmt.

Welcher Weg die Entwicklung der Gender Diversity mit Beginn der Covid-19 Krise in der Schweiz einschlagen wird, bleibt aktuell noch offen. Möglicherweise wird aber gerade eine solche Zeit zeigen, welchen Fortschritt man durch die Förderung in weibliche Talente erreichen kann und schafft umso mehr den Konsens, dieses Thema noch stärker voranzutreiben. Bis eine eindeutige Prognose zum Verlauf aufgestellt werden kann, gilt es noch abzuwarten. Bestenfalls bis zur nächsten Ausgabe des schillingreports 2021.

Gewinnen Sie selbst einen Eindruck über die Entwicklung in der Schweiz. Hier der Link zum
schillingreport 2020:
https://www.schillingreport.ch/de/schillingreport-2020-de/#heading-1

Das Kurzvideo der wichtigsten Highlights 2020:
https://www.schillingreport.ch/content/uploads/sites/2/2020/03/sr2020.mp4

Guido Schilling, Herausgeber schillingreport (Bild: Webseite schillingreport)

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