Facts & Figures

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Eine brillante Pionierin kann ernten

Eine Studentin kommt einige Minuten zu spät zur ersten Vorlesung ihres Promotionstudiums. Der Professor ist “not amused” und fragt sie vor allen, warum sie glaube, sich das erlauben zu können. Ihre Antwort sollte in die Geschichte der Frauen, die HerStory, eingehen: “Es tut mir leid, ich habe gerade ein Kind zur Welt gebracht.”

Die gerügte Studentin hat als einzige Frau in diesem Bereich ihr Studium fortgesetzt: Farzaneh Sharafbafi, 44 und Mutter von zwei Kindern, ist als erste Iranerin sowohl Ingenieurin (Aerospace) als auch Professorin geworden und ist derzeit eine Sensation in der iranischen Wirtschaft: Seit kurzem amtet sie als CEO und VR-Präsidentin der Iran Air. Nicht nur in der iranischen Wirtschaft, denn auch im Westen ist die Flugbranche immer noch eine Männerdomäne: Nur 6 von 248 Fluggesellschaften werden von einer Frau geführt.

Derb Iran wird in Bezug auf die Rolle der Frau oft mit Saudi-Arabien verglichen. Zu Unrecht? Während man in Saudi-Arabien gerade überlegt, ab wann die Aufhebung des Autofahrverbot für Frauen in Kraft tritt, plaziert die Chefin der nationalen iranischen Linie Aufträge für Flugzeuge, mit denen sie die gesamte Flotte erneuern will.

Müssen wir vielleicht unser Bild von Frauen im Nahen Osten revidieren? «Femallahshift» lässt grüssen…


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Manal al-Sharif: So sieht eine Siegerin aus

Sie hat Geschichte geschrieben, mit viel Mut und Beharrlichkeit: Seit gestern Abend, 26. September 2017, denken die Behörden in Saudi-Arabien angestrengt darüber nach, wie Frauen jetzt zu ihrem Fahrausweis kommen – auf Geheiss des saudischen Königs! Saudi-Arabien war das letzte Land der Welt, das seinen Einwohnerinnen das Recht auf Mobillität zugesteht, und das heisst: endlich selbst und allein Auto zu fahren.

Wie es dazu kam, wieviel Leidensfähigkeit gefragt war, was es braucht, Konventionen zu überwinden,  – all das und mehr wird Manal al-Sharif am Sonntagabend, 1. Oktober, erzählen, wenn sie an der deutschsprachigen Vernissage ihres Buches «Losfahren» ihre Gäste im Zürcher «Kaufleuten» begrüsst. Hier geht’s zur Ticketbestellung.


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Jenseits unseres Tellerrands…

«Femallahshift» war die Bezeichnung, die das deutsche Zukunftsinstitut (www.zukunftsinstitut.de) bereits vor Jahren den Emanzipationsbestrebungen muslimischer Frauen aus verschiedenen Ländern gab. Sie basiert auf der Erkenntnis: Wenn es gelingt, eine gewisse Sachlichkeit in die Diskussionen um den Islam zu etablieren, werden es die Frauen sein, die Wesentliches dazu beigetragen haben.

Bis dahin braucht es allerdings noch manches an Bewusstseinsveränderung. Interessant wird es zum Beispiel, wenn eine Frau gleichzeitig erzkonservativ, aber beruflich erfolgreich in einer Männerwelt ist und darin keinen Widerspruch sieht: Beruflich ist Sarah al-Suhaimi seit Frühjahr 2017 Chefin der saudischen Börse, als erste Frau in dieser Position; privat findet sie, ganz im Gegensatz zu ihrer Geschlechtsgenossin Manal al-Sharif,  dabei das Autofahrverbot für Frauen ganz in Ordnung:  „Wir bewegen uns viel, auch wenn wir nicht hinter dem Steuer eines Autos sitzen. Ich reise, wohin ich will. Da gab es auch nie Probleme, da mein Vater mich immer unterstützt hat.“

Saudiarabien erfährt gerade einen gesellschaftlichen Umbruch, in dem Frauen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Obwohl Schulbildung für Mädchen erst in den 1960er Jahren eingeführt worden ist, sind heute bereits 55% der Studierenden an den Universitutäten des Landes Frauen.

Am Arbeitsplatz der Börsenchefin sind übrigens gut 30% der Mitarbeitenden Frauen, und triumphierend weist sie auf einen wunden Punkt in unserer Gesellschaft hin, wenn sie davon spricht, dass global Frauen um Lohngleichheit kämpfen: „Das ist bei uns anders, hier werden exakt die gleichen Löhne für Männer und Frauen gezahlt. Und zwar schon länger.“ 


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Manal al-Sharif: die Autofahr-Tabubrecherin liest in Zürich

TIME MAGAZINE zählt sie zu den 100 einflussreichsten Frauen unserer Zeit. Mit ihrem Mut und ihrer Beharrlichkeit könnte sie bewirken, dass sich für saudische Frauen etwas Grundlegendes ändert.

„Saudiarabien ist das einzige Land, das Frauen verbietet, Auto zu fahren. Der islamische Gelehrte Abd al-Aziz ibn Baz erliess 1990 eine Fatwa, in der er schrieb: Wenn man Frauen erlaube, Auto zu fahren, verderbe das die Gesellschaft. In Saudiarabien heisst es, Frauen seien Königinnen und Königinnen würden nicht Auto fahren. Saudische Frauen sind auf Männer angewiesen, wenn sie sich fortbewegen wollen – auf Ehemänner, private Fahrer, Taxifahrer. Es gibt keinen öffentlichen Verkehr.

«Die Fundamentalisten haben ihre Macht immer an den Frauen demonstriert», sagt Manal-al-Sharif  im Skype-Gespräch mit der NZZ. Auch sechs Jahre nach ihrer Protestfahrt setzt sich die 38-Jährige dafür ein, diese Macht zu brechen. Sie tut dies aus der Ferne: Nachdem sie als Aktivistin berühmt geworden war, gab man ihr bei ihrem Arbeitgeber, dem staatlichen Ölkonzern Aramco, zu verstehen, dass sie nicht mehr erwünscht sei. Sie zog erst nach Dubai, lebt mittlerweile mit ihrem brasilianischen Ehemann und dem gemeinsamen Sohn in Sydney. Ihren Mann hatte sie einst bei Aramco kennengelernt. Sharif hält Vorträge, mobilisiert im Internet, liest aus ihrer vor kurzem auf Deutsch erschienenen Autobiografie («Losfahren»).“
(Quelle: NZZ, 23. September 2017)

In Zürich wird die Aktivistin am Sonntag, 1. Oktober 2017, um 20.00 Uhr im «Kaufleuten» über ihren Tabubruch sprechen. (Ticketvorbestelllung)

Moderation: Antonia Moser, Redaktion Religion SRF. Das Gespräch mit der Autorin findet auf Englisch statt; deutsche Textpassagen liest Ariela Sarbacher.


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Hillary Rodham Clinton: Das erste Interview „danach“

“I am passionate about the unfinished business of the 21st century: the rights and opportunities for women and girls.”

Das ist die Antwort, die Hillary Clinton heute auf die Frage gibt, ob sie sich noch einmal dem Stress eines Wahlkampfes aussetzen möchte.

Was sie sonst noch zu ihrer Niederlage und etwaigen Zukunftsplänen im ersten Interview nach dem 8. November zu sagen hat, finden Sie hier.

Ein paar Tage nach diesem Interview ist ein neues Buch zu ihrem Wahlkampf herausgekommen: «Shattered: Inside Hillary Clinton’s Doomed Campaign» (vorerst nur auf Englisch). Das Fazit der beiden Journalisten Jonathan Allen und Amie Parnes in ihrer Abhandlung des amerikanischen Wahlkampfes 2016  lautet allerdings etwas anders als die Einschätzung von Hillary Rodham Clinton: Sie sehen Führungsfehler, Fehleinschätzungen und verpasste Chancen innerhalb des Wahlkampf-Teams als Ursachen für die Niederlage… Lesenswert!

 


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In memoriam: Carme Chacón (1971-2017), erste spanische Verteidigungsministerin

Sie schrieb Geschichte: 2008 wurde die Katalanin Carme Chacón als erste Frau in der Geschichte Spaniens Verteidigungsministerin. Nicht nur das, sie war auch noch hochschwanger, als sie die Truppen besuchte – die Fotos machten sie weltbekannt –, und so wurde sie auch die erste Ministerin, die während ihrer Amtszeit ein Kind zur Welt brachte.

Am Sonntgabend, 9. April 2017, ist Carme Chacón in ihrer Madrider Wohnung tot aufgefunden worden. Ein angeborener Herzfehler ist die Ursache ihres viel zu frühen Todes.

Sie war ein besonders eindrückliches Beispiel für Tabubrüche in Bezug auf die Erwartungen, die man an die berufliche Laufbahn von Frauen hat, und hat sicher manch eine junge Frau zu einer ungewöhnlichen Berufswahl inspirieren können. Diejenigen, die diese Inspiration noch brauchen, weil sie immer wieder hören müssen, dass etwas NICHT möglich sei, seien an das Sprichwort erinnert, das den Chinesen zugeschrieben wird: “Man who says it can’t be done should not stand in the way of man who’s doing it.” Gilt selbstverständlich auch für Frauen.


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Ehrung für die „Frauen der NASA“

Wissenschaftsredaktorin Maia Weinstock ist ein Lego-Fan. Ihre Liebe zu Lego und ihr Wunsch, die „Women of NASA“ zu ehren, haben zu einer neuen Produktionsidee geführt: Voraussichtlich auf Ende 2018 wird ein neues Lego-Set mit fünf Frauen, die bei der Eroberung des Weltraums eine Rolle gespielt haben, auf den Markt kommen. Dazu ein interessantes Interview mit der Ideengeberin und Kreateurin.


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London: Scotland Yard bekommt die erste Chefin

Es ist schon lange ihr Traum gewesen, an der Spitze der wohl berühmtesten Polizeibehörde zu amten – so lange, dass Cressida Dick 2014, nach 31 Jahren Dienst bei Scotland Yard nicht mehr träumen wollte und ins Aussenministerium wechselte. Dort hat sie jedoch nur ein kurzes Gastspiel gegeben, denn wie die Regierung letzte Woche verkündet hat, wird sie in ihr ehemaliges Arbeitsfeld zurückgeholt – allerdings als Chefin. Damit wird sie in der 188-jährigen Geschichte dieser Institution die erste Frau in dieser Funktion.

Die 56-Jährige gilt als talentierteste Polizistin ihrer Generation, hat ihre Talente, Fähigkeiten und Skills in einem Förderprogramm entwickeln können und wird schon bald Gelegenheit haben, sich bei ihrem ersten Grosseinsatz in ihrer neuen Funktion zu bewähren: Sie und ein Teil der 43.000 Mitarbeiter werden dafür sorgen müssen, dass beim Besuch des amerikanischen Präsidenten im Sommer keine Krisen entstehen – angesichts der Hunderttausende von Londonern, die dagegen protestieren wollen, kein Sonntagsspaziergang.


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Fehlende Rollenvorbilder? Ach was!

Wir kennen sie ja, die Klagen von Frauen, die mit ihrer beruflichen Situation nicht zufrieden sind. Sie haben Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts (damals weitgehend berechtigt) begonnen und sich 45 Jahre später – inzwischen unberechtigt – nur minim verändert: Die „Rahmenbedingungen“ stimmen nicht. Die staatlich geförderte Kinderbetreuung lässt immer noch auf sich warten. Die individuell vereinbarte Arbeitszeit ebenso. Die Lohngleichheit ist auch noch nicht erreicht, und die guten Jobs gibt man immer noch eher den Männern als den Frauen. Das Signal, das jungen Frauen so am Beginn ihrer Laufbahn übermittelt wird, ist: „Frauen sind nach wie vor nicht gefragt, werden nicht fair behandelt, sind immer noch benachteiligt. Vergiss es!“ Doch heute sollte dieses Signal heissen: „Dies ist deine Stunde – nutze sie!“

„Whatever women do, they must do twice as well as men to be thought half as good. Luckily this is not difficult.“

Charlotte Elizabeth Whitton
Kanadische Politikerin, Ottawa; 1. Bürgermeisterin einer
kanadischen Grossstadt

Denn es gibt für sie noch eine Zusatzbotschaft, und die heisst: „Na und?“ Die Rahmenbedingungen stimmen nie ganz; die meisten Männer bekommen ihre Jobs auch nicht auf dem Silbertablett, und Frauen könnten sich wohl kaum ihren Begabungen und Interessen gemäss entfalten, wenn sie von staatlicher Förderung abhängig wären. Und: Sie sind 51 Prozent der Menschheit. Also bleibt nur die Flucht nach vorn – allerdings mit einem Blick zurück auf die stattliche Reihe von Frauen, die sich nicht in die ihnen zugedachten Ablagefächer eingefügt haben. Nur die wenigsten von ihnen waren auf ihre Herausforderungen vorbereitet, aber sie haben ihre Chancen erkannt und ergriffen. Sie handelten innerhalb männlicher Strukturen, haben Neuland betreten und sich in ungewöhnlichen Situationen bewähren müssen.

Das sind die Rollenvorbilder, an denen sich Frauen orientieren können. In dunklen Momenten, wenn gar nichts mehr zu gehen scheint, kann man daran denken, was für Barrieren diese Frauen haben überwinden müssen und wie sie das getan haben. Dafür schulden wir ihnen Dank, und das Wenigste, was wir für sie tun können, ist, sie davor zu retten, vergessen, verleumdet oder verniedlicht zu werden.

Hier geht es also um HERstory – und wir beginnen mit einer Erfolgsgeschichte aus dem vorigen Jahrhundert in Zürich.


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