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Q 3 2020 – ein Quartal das in die Geschichtsbücher eingehen wird…

Die Welt inmitten der Covid19 Pandemie. Wir stecken alle mittendrin. Je nachdem in welchem Land auf dieser Erde wir leben ist die Situation unterschiedlich. USA, Brasilien, Chile oder Russland lebt es sich sicher gerade anders als in Österreich, Deutschland oder der Schweiz. Aber auch zwischen Deutschland und der Schweiz gibt es Unterschiede – Maskenpflicht beim rein und rausgehen in Restaurants in Deutschland versus überhaupt keine Pflicht zum Maskentragen in der Schweiz im öffentlichen Raum. Oder auch innerhalb Deutschlands lebt es sich gerade in Gütersloh (Stichwort «Tönnes») anders als in Dresden. Und das Damoklesschwert einer wirtschaftlichen Rezession schwebt über uns allen.

Wie geht es weiter? Wir alle wissen es natürlich nicht. Wie immer haben wir alle jedoch die Wahl eine eher pessimistische oder positivere Haltung einzunehmen.

Wir möchten Ihnen in diesem Newsletter eine bewusst kleine Auswahl zum Mitdenken präsentieren. Setzen also einen bewussten Fokus und zwar akustisch. Sie bekommen heute den Link zu zwei Videos – ein Gespräch beim SRF in der Rubrik «Sternstunden Philosophie» und einen Mitschnitt einer Keynote im Rahmen eines DIVERSITY 2019 «Charta-der-Vielfalt» Anlasses in Deutschland, die wir absolut hörenswert finden.

Das erste Video widmet sich der Philosophie und dem Gedankengut von Georg W. F. Hegel und wie sie sich auf die heutige Zeit, insbesondere zu den aktuellen Corona Zeiten, übertragen lassen. Das zweite Video thematisiert mit sehr konkreten Vorschlägen, wie ROLE MODELLING in Sachen FEMALE SHIFT aussehen könnte. Vorgestellt von Sven Hagströmer, dem Gründer der AllBright Stiftung.

Sternstunde Philosophie: «Hegel wirkt bis heute»

Hegel ist sicher sehr kritisch zu betrachten, was das Thema seines Frauenbildes betrifft. Jedoch ist das Gespräch zu Hegel und seiner Philosophie spannend. Im Dialog wird es auch um die Frage gehen, wie Hegel die aktuelle Situation beurteilt hätte. Schauen Sie mal rein:
Link: https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/hegel-wirkt-bis-heute?id=38b3078b-2be3-48e0-9fb2-84c5df61e592

 

 

Sven Hagströmer, Gründer der schwedisch/deutschen AllBright Stiftung:
«Führung ohne Vielfalt – das geht heute nicht mehr» (April 2020).

Er spricht über die Aufforderung an Frauen und Männer als Role model einzustehen und spricht vom MUT, den es braucht zu HANDELN und zwar jetzt: Von Seiten der Politik, Kunden, Unternehmensleitungen her und den erforderlichen Mut von Frauen und Männern Feministen zu sein. Hören Sie rein… es lohnt sich!

Der Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=ezf_o4zMnOo

Wollen Sie mehr über die AllBright Stiftung wissen? Stöbern sie mal rein:
https://www.allbright-stiftung.de/

Wir finden es sehr inspirierend was die Kollegen und Kolleginnen in Deutschland in die Welt tragen und es ist natürlich ganz im Sinne und Geiste unseres THINK TANKS FEMALE SHIFT.


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Was hat ein erfolgreicher Umgang von Corona (COVID-19) mit weiblicher Führungsqualität zu tun?

Entdecken Sie im folgenden Artikel der englischen Forbes, wie es bemerkenswerten Frauen in der Regierung gelingt, ihre Länder sicher durch die Corona-Krise zu führen und dabei Verantwortung zu übernehmen.

https://www.forbes.com/sites/avivahwittenbergcox/2020/04/13/what-do-countries-with-the-best-coronavirus-reponses-have-in-common-women-leaders/#489285253dec

Spannende Beispiele für eine neue Narrative!


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Die Welt nach Corona

Die Corona-Rückwärts-Prognose: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei” ist

www.horx.com und www.zukunftsinstitut.de.

Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird”, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt? Versuchen wir es einmal:

Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020

Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafe in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona?
Oder sogar besser?
Worüber werden wir uns rückblickend wundern?

Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre fühlten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.

Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fussballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.

Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivial-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert.
Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, über-flüssig machen…
Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out.
Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.

Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point.

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half. Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann.

Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.

Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.

Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit.

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.

Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört.

Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang.

Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.

Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam in dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie »autoritär« handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.

Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.

Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden. Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden Hoffnungsträger. Die kommenden Gretas.

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.”

Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO&sub2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfinden.
System reset.
Cool down!
Musik auf den Balkonen!

So geht Zukunft.

https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/

 


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Es gibt noch viel zu tun

SRF, DOK, 5.3.2020


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Die Gedanken sind frei – Warum Verantwortung genau dort anfängt!

«Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten…» So beginnt ein sehr altes Volkslied aus dem 19. Jahrhundert, welches in der Geschichte immer wieder zu einem politischen Lied wurde. Ein Lied gegen politische Unterdrückung und als Ausdruck für die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit. Angeblich hat Sophie Scholl dieses Lied an den Gefängnismauern auf einer Blockflöte gespielt, als ihr Vater im Jahr 1942 wegen hitlerkritischer Äusserungen inhaftiert wurde.

Heute leben wir hier in der Schweiz sicher in keiner Unterdrückung. Dennoch lohnt es sich der Bedeutung dieses Satzes ein wenig «Gedankenraum» zu geben, denn ich glaube, wir leben in Zeiten, in denen wir uns dem Thema «Unabhängigkeit» widmen sollten.

«Die Gedanken sind frei…» Wir dürfen denken, was wir wollen. Aber tun wir das auch? Wie unabhängig DENKEN wir? In Zeiten von Filterblasen im Internet, neuen Formen, Methoden und Tools in Sachen «Brainhacking» oder dem sogenannten Technokapitalismus sind wir als Menschheit sicher aufgefordert diesem Thema Aufmerksamkeit zu geben, um unsere menschliche «Unabhängigkeit» zu bewahren. Oder müssen wir sie uns bereits zurückerobern?
Aber wir müssen gar nicht nur in die Zukunft schauen. Bleiben wir im «Gedankenraum» doch mal bei uns heute als Individuen: Wir sind als Mensch zu 90% des Tages unbewusst unterwegs. Die circa 60.000 Gedanken, die wir am Tag so denken, könnten wir gar nicht bewusst erleben. Wir würden ja wahnsinnig. ABER: Wir sollten Verantwortung für unsere GedankenMUSTER übernehmen.

Warum? Die berühmten Sätze aus dem Talmud machen dies deutlich, wie ich finde:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Es ist also wichtig, was wir denken und wir sollten uns dessen bewusst sein oder es uns bewusst machen.

Gedanken und Emotionen hängen dabei natürlich ursächlich sehr eng beieinander. Denn es findet auf eine Situation hin immer eine (oft unbewusste) Denk-Bewertung statt, gepaart mit Emotionen/Gefühlen (Angst, Freude, Ärger, Trauer, Liebe…). Also: Situation – Emotion & Denken – Handeln. Und dies geschieht rasend schnell – oft eben auch unbewusst. Und somit sind die Gedanken nicht ganz «frei», denn sie sind gekoppelt mit Emotionen & Gefühlen.

Wie wir denken, fühlen und handeln, lernen wir. Ja, wir sind soziale Wesen und lernen sehr früh in unserer Kindheit uns in das soziale Gefüge (erstmal Familie, dann Gruppe, Schule, später Beziehungen und Berufswelt) einzufügen und uns anzupassen. Somit beeinflusst unsere Sozialisierung unseren Denk-Bewertungsprozess.
Aber dies entbindet uns nicht als erwachsene Menschen die Verantwortung für unsere Gefühle & Gedanken zu übernehmen ggf. eine Neubewertung vorzunehmen. Hier fängt Selbstführung an.

Viktor Frankl schreibt: „Zwischen Stimulus, Reiz, und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum ist unsere Macht, unsere Reaktion zu wählen.

Diese Macht unserer Reaktion ist mächtig und sie macht uns verantwortlich. Hier können und dürfen wir uns nicht «wegducken».

Machen Sie einen kleinen Selbsttest. Was denken Sie zum Beispiel am ehesten zum Thema «Arbeit» (entlehnt dem Buch: «Haltung entscheidet» von Martin Parmantier)

  1. Arbeit ist ein notwendiges Übel.
  2. Nur wer arbeitet, hat Anspruch auf Glück und Anerkennung.
  3. Wer viel arbeitet, hat viel verdient.
  4. Die Arbeit zeigt, wer ich bin.
  5. Meine Arbeit soll zu meinen Werten und meinem Lebensstil passen.
  6. Mit meiner Arbeit bin ich Teil eines sinnvollen Wandlungsprozesses.

Ihr (unbewusst) gewählter Gedankenraum wird Ihre Worte, Handlungen und Schicksal bestimmen oder zumindest stark beeinflussen. Die Denkmuster wären durch die unterschiedliche Sozialisierung sicher von Leser/In zu Leser/In verschieden und die Worte, Taten auch.

Im Gedankenmuster liegt aber auch ganz viel Freiheit und das Potential zur Unabhängigkeit, wenn wir uns dessen bewusst sind und uns diese Freiheit nehmen. Wir leben heute hier in der Schweiz in einem Land, wo wir solche Denk-Haltungen – mögen sie auch noch so sozial erwünscht sein – kontextbezogen individuell anpassen dürfen und können. Ganz im Sinne der mentalen Agilität. Hier wird Verantwortung zum Gestaltungsraum. Denn wir könnten diesen Selbsttest jetzt auf alle möglichen anderen Themen weiterspinnen: Zukunft, Mann/Frau, Erziehung, Natur, die Andren etc.

Sind Ihre Gedankenräume zeitgemäss? Denken Sie, was Sie denken wollen? So oder so: Sie tragen Verantwortung.

In der Summe prägen unsere gemeinsamen Denk-Haltungen natürlich auch unser gemeinsames, kollektives Schicksal. Und hier ist das Thema der Unabhängigkeit des Denkens wieder brandaktuell.

Im Sinne des FEMALE SHIFTS sind wir aufgefordert «Veränderungen wahrzunehmen und Verantwortung zu übernehmen.» Christine Kloess schreibt in ihrem Buch «ICH BIN» den passenden Satz: «Je mehr wir wissen, desto mehr kommen wir in die Verantwortung».

«Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten. Sie fliegen vorbei, wie nächtliche Schatten, Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschiessen. Es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei»

Sind wir so frei? Wir sind so frei! Stellen wir uns der Verantwortung!


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Hommage an die EuroKultur-Frau

Gesegnet mit einem phänomenalen Gedächtnis, intuitiv und kreativ und ausgestattet mit einem bemerkenswerten, breit gefächerten Fachwissen, war Monique Siegel gleichsam prädestiniert, 2006 ihren eigenen Vorlesungszyklus in europäischer Geschichte ins Leben zu rufen. Sie gab ihm den Namen EuroKultur. In dieser sich über mehrere Semester erstreckenden Vorlesungsreihe lehrte sie die TeilnehmerInnen die historischen Zusammenhänge Europas von der Antike bis zur Gegenwart, stets mit besonderem Fokus auch auf die Geschicke der Frauen in den jeweiligen Epochen. Mit Leidenschaft, Charme und Witz und dank ihrer unvergleichlichen Sprachkompetenz verstand es Monique Siegel, ihre ZuhörerInnen zu begeistern. Anschauliche Präsentationen, Videos und musikalische Einspielungen ergänzten ihre Ausführungen, welche zum Ziel hatten, die Geschichte Europas nicht nur als eine Aufzählung von nackten Fakten und Zahlen zu erleben, sondern vielmehr die Zusammenhänge zu verstehen. Politik, Religion, Zeitgeist, Kunst und Kultur einer bestimmten Epoche stehen in Wechselwirkung zu einander. Als Beispiel und stellvertretend für andere möge hier die Zeit des Absolutismus unter Ludwig XIV genannt werden, in der sich der Regierungsstil in der opulenten Architektur, den strengen, die Macht zur Schau stellenden Gartenanlagen und der ausschweifenden Musik widerspiegelte. Genau diese Betrachtungsweise wollte Monique Siegel ihren «SchülerInnen» beibringen, und manch eine(r) wurde sich dabei bewusst, dass sie/er sich während der eigenen, wohl lange zurückliegenden Mittelschulzeit diese Art von Geschichtsunterricht nur allzu gerne gewünscht hätte.

Die EuroKultur-Vorlesungen erfreuten sich einer so grossen Beliebtheit, dass sie in drei Staffeln wiederholt wurden. Die nicht minder erfolgreiche Nachfolgeserie Macht und Moral beleuchtete alsdann vertieft auch die ethischen Aspekte. Der Besuch der EuroKultur– und Macht und Moral-Vorlesungen stellten für mich persönlich eine grosse Bereicherung dar. Ich zehre bis heute davon und blättere auch jetzt noch hin und wieder gerne in der abgegebenen Dokumentation.

Monique Siegel wäre nicht Monique Siegel gewesen, wenn sie sich nach ihrer Vorlesungsreihe zur Ruhe gesetzt hätte. Unermüdlich und stets um die Verbesserung der Stellung der Frau kämpfend, arbeitete sie mit tatkräftiger Unterstützung von Rosmarie Michel weiter an einem neuen Konzept, dem ThinkTank FEMALE SHIFT, der – wie sie mir vor noch nicht allzu langer Zeit und bereits gezeichnet von ihrer schweren Krankheit anvertraute – ihr Vermächtnis sein sollte. Ich gebe meiner Hoffnung Ausdruck, dass es gelingen wird, das Gedankengut dieser aussergewöhnlichen Persönlichkeit, die Monique Siegel war, weiterzupflegen und -zuentwickeln.

 

Marlyse Walti, EuroKultur-/Macht und Moral-Teilnehmerin
Mitglied Beirat ThinkTank FEMALE SHIFT

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Fe-Male for Future


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Abschied von Dr. Monique R. Siegel

 

Sie war kontrovers, sie war fordernd und sie hat Klartext geredet: Dr. Monique R. Siegel hat uns und viele andere als Role Model inspiriert – mit ihrem Mut und ihrer Willenskraft. Sie hat Generationen von Frauen zu neuem Denken angeregt. In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von einer Freundin.

Dieser Text erscheint mit Genehmigung der Women Speaker Foundation. Original von Corinna C. Conradt 9/2019

 

Vive la Différence oder Diversity ist der bessere Manager

„Frauen werden nie wie Männer sein, es ist die Verschiedenheit, die zu neuen Lösungen führt.“ Angesichts der „größten Dichte und Gleichzeitigkeit von Problemen in der Geschichte der Menschheit“ ist also „nicht Gleichschaltung, sondern Anerkennung und Respekt gegenüber der Verschiedenartigkeit“ das Gebot der Zukunft. Monique Siegel forderte auch von den Frauen, in die Verantwortung zu gehen und ihre gute Ausbildung und die Tatsache, dass sie auf dem Arbeitsmarkt in einer starken Position sind, zu nutzen, um in der Wirtschaft etwas zu verändern: Es gibt keine Innovation ohne Diversity.
Monique Siegel hat es nicht bei ihren spannenden Büchern belassen, sie übernahm Verantwortung um einen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft zu bewirken und Zukunft zu gestalten – wer sie auf der Bühne erlebt hat, weiß wie brillant, dynamisch, humorvoll, kontrovers und überzeugend sie dabei war. Gemeinsam mit Rosemarie Michel gründete sie den ThinkTank Female Shift – um Themen in Wirtschaft und Gesellschaft zu definieren, Lösungen zu finden und sie in die Realität umzusetzen.

 

Dr. Monique R. Siegel und Rosemarie Michel


War‘s das schon?


Ihre frische Perspektive, die herausfordernde Art, wie sie ihre Thesen formulierte und ihre unnachgiebige Dynamik machten Monique Siegel für uns sofort zur „Sister in Crime“. Seit acht Jahren pflegten wir eine strategische Partnerschaft aus der eine Freundschaft wurde.
Nein Monique, das war’s noch nicht: Dein Vermächtnis wird über Deine Zeit hinaus weiterleben und wir werden unseren Beitrag dazu leisten.

Dr. Monique R. Siegel und Regina Mehler

„Krisen werden nicht von den Leuten gelöst, die sie herbeigeführt haben“

„Digitale Innovationen und Chancen für Frauen“

Das Titel-Zitat von Dr. Monique R. Siegel stammt aus einem Gespräch mit Dr. Alexandra Borchardt, das von Jutta Prediger auf dem Herbsttreffen der Medienfrauen moderiert wurde. Der Podcast ist ein #musthear, das dauert ca. eine halbe Stunde.

  • Wo stehen wir heute mit der Digitalisierung?
  • Wo geht die Entwicklung hin – was wird sich verändern in Unternehmen und Gesellschaft?
  • Wie kann jede*r Einzelne zu einer positiven Entwicklung beitragen?

Die beiden Gesprächspartnerinnen haben durchaus unterschiedliche Haltungen und es kommen erfrischende, ungewöhnliche Gedanken auf den Tisch. Warum z. B. sollten Frauen männliche Millenials ins Boot holen, um Lösungen für die Milleniums Ziele voranzutreiben? Viel Spaß beim Zuhören! Hier geht’s zum Podcast des BR.

 

„Frauen bringen Skills mit, von denen Männer nur träumen können“

Die Wirtschaftsethikerin und ThinkTank-Gründerin Monique R. Siegel kämpft für die Karrierechancen von Frauen. Ein Gespräch über Frauen in der Wirtschaft, falsche Ansätze – und zu viel Gleichheit.
Das vollständige Interview finden Sie online im Handelsblatt.

Monique R. Siegel:
„Es geht nicht mehr nur um die einzelne Karriere einer Frau, es ist eine volkswirtschaftliche Angelegenheit.“


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In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Dr. Monique R. Siegel

In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von

Dr. Monique R. Siegel

12. Februar 1939 – 9. Juni 2019
Founder und Chefredaktion

Nach dem Motto: Veränderung wahrnehmen – Verantwortung übernehmen, hat Monique Siegel als Vordenkerin und Vermittlerin ihre neuen Projekte in Wort und Schrift entwickelt und damit Generationen von Frauen zu neuem Denken angeregt.
Wir werden sie sehr vermissen und ihre Botschaft nicht vergessen.

 

ThinkTank FEMALE SHIFT
Im Namen des Teams:
Rosmarie Michel, Präsidentin
Niederdorfstr. 90
8001 Zürich


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Meet our event partner for 9 April 2019!

9 April 2019: We welcome our event partner!

We are delighted to have Schroder & Co Bank AG as our partner for this event. The Bank has been a member of the ThinkTank practically from the beginning, and we gratefully remember its CEO, Adrian Nösberger, as having been our very first storyteller at our very first event at the GDI in June 2016.

Schroder & Co Bank AG is a Swiss Bank fully owned by Schroders plc, a British global asset manager founded in 1804 with CHF 529 billion (31.12.19) AUMA. The founding Schroder family still holds over 47% of the voting shares.

Operating in Switzerland since 1967, Schroder & Co Bank AG focus on the requirements of discerning private clients, external asset managers and charities. With head-office in Zurich and a branch in Geneva, the bank employs around 250 people and administers CHF 48 billion for Schroders Group’s companies. We take a long-term investment approach, putting our clients at the centre of everything we do.

Visit us on: https://www.schroders.com/en/ch/wealth-management/

 


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