Newsletter Female Shift Oktober 2025
Fokus gemeinnützige Projekte
Wort der Präsidentin
Liebe Leserinnen und Leser
In den kommenden Monaten stellen wir Ihnen ausgewählte Projekte vor, die Solidarität in unterschiedlichen Bereichen praktisch umsetzen.
Soziales Engagement bedeutet, aktiv zur Verbesserung von Lebensbedingungen beizutragen. Frauen sind dabei einerseits zentrale Akteurinnen, andererseits häufig selbst auf Unterstützung angewiesen.
Soziales Engagement für Frauen reicht von A wie Arbeit – etwa durch Projekte zur beruflichen Integration – bis Z wie ZFV und Zusammenhalt, wie in generationenübergreifenden Wohnprojekten. Im Kleinen wie im grossen, lokal in der Schweiz aber auch global, etwa durch das DEZA (erfahren Sie mehr im aktuellen Porträt von Patricia Danzi) oder Women’s World Banking, zeigt sich: Solidarität schafft Schutz, Chancen und Teilhabe und fördert somit die Selbstbestimmung.
So bildet Solidarität die Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt – lokal wie global. Die Menschen fühlen sich einbezogen, gestärkt und verbunden, als Teil einer Gemeinschaft. Gleichzeitig steht freiwilliges Engagement, das diese Solidarität trägt, vor neuen Herausforderungen: Zwar ist die Bereitschaft, sich formell oder informell einzubringen, nach wie vor gross, doch Erwartungen, Strukturen und Rahmenbedingungen verändern sich. Welche Chancen und Schwierigkeiten sich daraus ergeben, erfahren Sie in den nachfolgenden Beiträgen.
Kennen Sie ein innovatives soziales Projekt mit Frauenbezug? Dann lassen Sie es uns gerne wissen – wir freuen uns über Ihre Hinweise.
Ein aktuelles Thema im Zusammenhang mit Engagement ist zudem die Service-Citoyen-Initiative, über die im November abgestimmt wird. Diese fordert, dass alle jungen Bürger einen Dienst zugunsten der Allgemeinheit leisten und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.
Gerne möchte ich mit ihnen noch ein kurzer Rück- und Ausblick zur Frauen-Fussball-EM werfen: Das Fazit fällt überaus positiv aus. Das Turnier hat gezeigt, dass mehr Sichtbarkeit für Frauen – sei es auf dem Spielfeld, in der Berichterstattung oder im Publikum – möglich ist und zugleich ein grosser sportlicher wie medialer Erfolg erzielt werden kann. Spannend ist die Frage, welche Auswirkungen dieser Erfolg auf andere Sportarten haben könnte, etwa auf Basketball. Sind ähnliche Entwicklungen zu erwarten, oder spielt das Geschlecht dort eine geringere Rolle? Ihre Einschätzungen und Erfahrungen würden uns sehr interessieren – senden Sie uns diese zu: info@femaleshift.org
Zu guter Letzt: Bald haben Sie die Gelegenheit, mehr über die von Zürcher Frauen gegründeten ZFV-Unternehmen und den spannenden Umbau des Hotels Zürichberg zu erfahren. Freuen Sie sich auf exklusive Einblicke, eine Hausführung durchs Hotel und einen inspirierenden Austausch. Weitere Informationen folgen in Kürze.
Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre,
Ilda Chiodi-Ferro
Gemeinnützige Projekte: ein neues Modell für Freiwilligenarbeit
Noch finden Vereine in der Schweiz genug Freiwillige – doch das könnte sich bald ändern, wie die NZZ berichtet. Gründe sind zunehmende Zeitknappheit, steigende Anforderungen an Einsatz und Organisation sowie der Wunsch nach Flexibilität. Viele Freiwillige wünschen sich mehr Wertschätzung, Unterstützung und klare Strukturen. Gleichzeitig werden Vereine mit wachsendem Aufwand konfrontiert — administrativ, finanziell und organisatorisch. Das Fazit: Engagement bleibt wichtig, braucht aber neue Strukturen, Wertschätzung und mehr Unterstützung.
Umfang und Wert der Freiwilligenarbeit: Das Wichtigste im Überblick
- 41 Prozent engagieren sich formell in Vereinen, 17 Prozent von ihnen in einem Amt.
- 51 Prozent helfen informell – etwa in der Nachbarschaft oder der Familie.
- Insgesamt leisten Freiwillige 590 Millionen Stunden Arbeit pro Jahr im Wert von über 30 Milliarden Franken.
- Im europäischen Vergleich liegt die Schweiz in der Spitzengruppe.
Herausforderung: Langfristige Ämter sind schwer zu besetzen, während flexible, projektbezogene Einsätze – vor allem bei Jüngeren – zunehmen.
Ein positives Beispiel von innovativen Initiativen sind Projekte aus dem Bereich Gastronomie und Bildung: Hotel Marta von Sinn & Gewinn verbindet Gastfreundschaft mit sozialem Auftrag und schafft Arbeitsplätze für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt. Welcome to School bietet Jugendlichen mit Fluchthintergrund Sprach- und Integrationsklassen. Solche Projekte beweisen: Engagement wirkt, wenn es professionell begleitet und klar organisiert ist.
Die Herausforderung für Vereine: Freiwillige nicht nur finden, sondern auch halten. Flexiblere Modelle, transparente Rollen und echte Anerkennung sind Schlüssel, um das Ehrenamt zukunftsfähig zu machen. Wer mitmachen will, braucht das Gefühl, dass sein Beitrag zählt – und in ein tragfähiges Miteinander eingebettet ist.
Buchempfehlung: Revolution der Verbundenheit (2024), Franziska Schutzbach
Weibliche Solidarität ermöglicht sozialen Wandel. Franziska Schutzbach argumentiert, dass starke Beziehungen zwischen Frauen nicht nur persönliche Unterstützung bieten, sondern auch Räume schaffen, in denen neue soziale Formen entstehen können. Ihr Appell kommt genau zum richtigen Zeitpunkt: Wenn wir die Solidarität stärken, stärken wir auch das ehrenamtliche Engagement – und damit Projekte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten.
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Fokusthema: Neue Formen von Wohnen im Alter
Die demografische Entwicklung führt dazu, dass immer mehr Menschen länger leben und altersgerechte Wohnformen benötigen. Dabei geht es nicht nur um Barrierefreiheit und Sicherheit, sondern auch um soziale Teilhabe, Selbstbestimmung und Lebensqualität. Traditionelle Modelle stoßen hier häufig an ihre Grenzen: Viele ältere Menschen fühlen sich isoliert oder eingeschränkt, wenn Wohnungen nicht den veränderten Bedürfnissen angepasst sind. Brigit Wehrli-Schindler beschreibt in ihrem Buch Alterswohnungen in der Enge die Herausforderungen, die sich aus beengten oder ungeeigneten Wohnverhältnissen ergeben, und betont die Bedeutung gut geplanter, funktionaler Räume für ein selbstbestimmtes Leben im Alter.
Eine der interessantesten Entwicklungen in der Schweiz ist das generationenübergreifende Wohnen, das ältere Menschen, jüngere Erwachsene oder Studierende und manchmal auch Gewerbenutzung miteinander kombiniert. Die Walder Stiftung hat in Zürich Enge das Projekt Alterswohnungen Enge realisiert. Entstanden sind 17 altersgerechte Kleinwohnungen, barrierefrei und durchdacht gestaltet, kombiniert mit einer Studierenden-WG und gemeinschaftlich nutzbaren Bereichen im Erdgeschoss. So werden sowohl Privatsphäre als auch soziale Interaktion ermöglicht. Darüber hinaus engagiert sich die Stiftung in weiteren Forschungs- und Förderprojekten, unter anderem im Bereich Generationenwohnen, mit dem Ziel, langfristig tragfähige und lebendige Wohnprojekte zu schaffen.
Konkrete Beispiele
- Projekt Generationenwohnen (ETH Zürich): es wird in langfristiger Perspektive untersucht, wie solche Wohnformen im Alltag funktionieren. Dabei zeigte sich, dass räumliche Gestaltung, Organisationsstrukturen, Finanzierung und die Einbindung der Bewohnerinnen und Bewohner entscheidend sind. Erfolgreiche Projekte zeichnen sich durch flexible Nutzung, barrierefreie Ausstattung, Gemeinschaftsräume, soziale Angebote und eine gute städtebauliche Lage aus. Gleichzeitig müssen sie finanzierbar bleiben und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse älterer Menschen reagieren.
- „Golden Ager“-Hotel Alma: Wohn- und Lebensformen können über den klassischen Rahmen hinaus gedacht werden. Obwohl es sich primär um ein Hotel handelt, verbindet es soziale Integration, Nachhaltigkeit und Teilhabe – Prinzipien, die auch für neue Wohnformen im Alter relevant sind.
- Ein weiteres Beispiel ist Josephine’s Guesthouse for Women in Zürich, das in Kooperation mit der Stadt Zürich und dem FIZ Frauen Information Zürich Zimmer für Tage, Wochen oder Monate anbietet. Dieses Modell verbindet temporäres Wohnen mit sozialem Schutz und zeigt, wie flexibel und unterstützend Wohnangebote im städtischen Kontext sein können.
Insgesamt wird deutlich: Neue Wohnformen im Alter zielen darauf ab, Autonomie und Gemeinschaft zu verbinden. Sie schaffen Räume, die sowohl Rückzug als auch Begegnung ermöglichen, und berücksichtigen die langfristige Entwicklung der Bewohnerinnen und Bewohner. Gleichzeitig zeigen die Projekte, dass die Herausforderungen groß sind: Finanzierung, soziale Dynamik, regulatorische Rahmenbedingungen und wandelnde Bedürfnisse müssen stets berücksichtigt werden. Dennoch bieten sie ein zukunftsweisendes Modell, wie selbstbestimmtes Leben im Alter in modernen Städten gelingen kann.
Porträt: Patricia Danzi, Direktorin der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Von der Olympiabahn in Atlanta an die Spitze der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit: Seit dem 1. Mai 2020 leitet Patricia Danzi die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA/SDC).
Geboren und aufgewachsen in der Schweiz, mit einem nigerianischen Vater und einer Schweizer Mutter, begann Danzi ihre Laufbahn als Leistungssportlerin und vertrat die Schweiz 1996 im Siebenkampf bei den Olympischen Spielen. Anschliessend studierte sie Umwelt-, Agrar- und Geowissenschaften – eine Kombination aus Disziplin, Fachwissen und internationaler Orientierung, die ihr Profil bis heute prägt.
Fast drei Jahrzehnte lang arbeitete Danzi beim Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK). Sie war in weltweiten Einsätzen tätig, und verantwortete Tausende Mitarbeitende und komplexe humanitäre Einsätze. Damit gilt sie als erfahrene Praktikerin in Krisen- und humanitären Einsätzen – nicht als klassische Diplomatin. Politisch und symbolisch setzt Danzi ebenfalls Zeichen: Als erste Frau an der Spitze der DEZA steht sie für Wandel in einer bis dahin männerdominierten Führungsetage.
Kurzum: Patricia Danzi ist eine moderne, zugleich unkonventionelle Spitzenbeamtin – Olympionikin, Wissenschaftlerin sowie Krisenmanagerin – die Fachkompetenz mit langjähriger Feld- und Führungserfahrung verbindet.
Highlight: Erste Symposium zu Gendermedizin
Wir möchten Sie gerne auf das kommende Swiss Gender Medicine Symposium am 20. und 21. Oktober aufmerksam machen. Die Veranstaltung findet im Kursaal Bern statt, und richtet sich nicht nur an Fachleute, sondern auch an Unternehmen und gilt als wichtiges Leuchtturmprojekt im Bereich Gender Health. Forschende, Ärzt:innen, Fachpersonen und Entscheidungsträger:innen kommen hier zusammen, um neueste Erkenntnisse auszutauschen, innovative Forschung vorzustellen und den Dialog zur geschlechtersensiblen Medizin zu vertiefen. Wir laden Sie herzlich ein, dabei zu sein. Weitere Informationen und Anmeldung: www.swiss-gendermedicine.org
News aus der Community:
Falls Sie es noch nicht wissen: Die UZH Foundation freut sich, zwei neue Persönlichkeiten in ihrem Stiftungsrat begrüssen zu dürfen:
- Claudia Coninx-Kaczynski, Mitglied der TX Group Verlegerfamilie
- Denise Tonella, Direktorin des Schweizerischen Nationalmuseums
Die offizielle Meldung finden Sie hier: News-Meldung (DE/EN).
Auch auf LinkedIn gibt es dazu einen Beitrag: UZH Foundation auf LinkedIn.
Ausserdem fand am 21. August 2025 die Digital Women’s Night statt – ein inspirierendes Start-up-Event, das spannende Inputs und wertvolle Takeaways bot.
Die Veranstaltung wurde von Women in Digital Switzerland organisiert – einem Netzwerk, das Frauen in der digitalen Wirtschaft vernetzt, den Austausch fördert und mit regelmässigen Events Sichtbarkeit für weibliche Fach- und Führungskräfte schafft.
Weitere Informationen und Einblicke finden Sie hier: Women in Digital Switzerland auf LinkedIn.
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