Wort der Präsidentin

Liebe Leserin, lieber Leser

Der Jahreswechsel bietet eine gute Gelegenheit für einen Rück- und Ausblick:
Gerade auch in Zeiten von Umbrüchen ist es wichtig, sich nicht auf Altbekanntes zurückzuziehen und auf Wandel zu verzichten, sondern die Zukunft nachhaltig zu gestalten. Dazu ist es unerlässlich, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schaffen und zu versuchen, den Wandel als Chance zu begreifen.

Wir haben Sie im letzten Jahr zu zwei Veranstaltungen eingeladen: „Wann ist Stadtentwicklung nachhaltig? Das Beispiel Zürich.“, in Kooperation mit der Globalance Bank. Brigit Wehrli-Schindler, ehemalige Stadtentwicklungsdirektorin von Zürich, hat uns aufgezeigt, wie es Zürich – das in den 80er Jahren vor gewaltigen Herausforderungen stand (Stichworte: alt, arm, Ausländer) – gelungen ist, wirtschaftlichen Wohlstand mit sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen, was die Stadt heutzutage zu einem weltweiten Massstab für Lebensqualität macht.

Im November durften wir im Hotel Zürichberg den Zürcher Frauen Verein* (kurz ZFV) näher kennenlernen. Dieser wurde als soziales Engagement von, aber nicht nur für Frauen gegründet und stellt sich seitdem immer wieder erfolgreich neuen Herausforderungen. Zur Firmenphilosophie, die dies noch heute ermöglicht, erfahren Sie mehr im nachfolgenden Bericht.

Auch für die Gendermedizin, ein Projekt, welches uns besonders am Herzen liegt, war dies ein ereignisvolles Jahr: Es ist toll zu sehen, wie es dem Lehrstuhl gelingt, mit viel Elan und Energie den vielen Herausforderungen in Forschung, Klinik und Lehre gerecht zu werden.

Zur Vorschau:

Female Shift wird 10 jährig! Mit unserem Programm wollen wir weiterhin gesellschaftlich relevante Themen aus weiblicher Sicht neu denken – durch offenen Dialog, Bewusstsein schaffen, Denkmuster aufbrechen, Impulse setzen und kreative Lösungen aufzeigen.
Kurz: als unabhängige Plattform Raum für Austausch und Begegnung schaffen, analog wie digital.

Unsere GV wird im Frühsommer stattfinden, im Anschluss planen wir eine Veranstaltung zum Thema Gendermedizin. Ich freue mich sehr, Sie bei dieser Gelegenheit wieder persönlich zu treffen.

Mit den Friends of Female Shift haben wir eine zusätzliche attraktive Form Ihrer Unterstützung geschaffen.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen, allen Partnern und dem ganzen Team für das Vertrauen und die wertvolle Unterstützung, die ich erfahren durfte, danken.

Das ganze Team von Female Shift wünscht Ihnen weiterhin frohe Festtage, einen gesunden Start ins neue Jahr und freut sich auf einen regen Austausch auch in 2026!

Ihre Ilda Ferro

Vereinstätigkeit & Interna: Die ZFV stellt sich vor!

“Wandel wahrnehmen, Verantwortung übernehmen”.

Im letzten Monat hat Female Shift eine Veranstaltung im Hotel Zürichberg durchgeführt. Das Gebäude blickt auf eine spannende Geschichte zurück und erinnert uns daran, wie wichtig echte Begegnungsorte sind – als Räume für Austausch, Reflexion und gesellschaftliche Entwicklung.

Was viele nicht wissen: Das Hotel Zürichberg wurde von der Genossenschaft ZFV (der Zürcher Frauenverein für alkoholfreie Wirtschaften) gegründet, eines Schweizer Unternehmens, deren Geschichte bis ins Jahr 1894 zurückreicht. Ins Leben gerufen wurde sie von einer Gruppe mutiger Frauen rund um die Sozialreformerin Susanna Orelli-Rinderknecht.

Heute ist die ZFV in den Bereichen Verpflegung, Beherbergung und Betreuung tätig und beliefert Unternehmen, Schulen, Spitäler, sowie die Öffentlichkeit mit ihren Dienstleistungen. Was all diese Aktivitäten verbindet, ist eine gemeinsame Haltung: die Überzeugung, dass bewusste Ernährung sowie ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit Hand in Hand gehen können – und dass Verantwortung aktiv und vorausschauend übernommen werden muss.

Bildquelle: Genossenschaft ZFV

Nachhaltigkeit ist bei der ZFV daher strategisch in fünf Schwerpunktbereichen verankert. Die Genossenschaft fördert eine umwelt- und klimafreundliche Ernährung, etwa durch ausgewogene und pflanzenbasierte Menüs oder durch die Umsetzung des FOOD2050-Menüleitsystems, das die Klimawirkung von Menüs in Grad Celsius Erderwärmung ausweist. Die ZFV war an dessen Entwicklung massgeblich beteiligt und nutzt es als internes Steuerungsinstrument und als Orientierungshilfe für ihre Gäste in der Gastronomie.

Darüber hinaus engagiert sich die ZFV konsequent für die Reduktion von Food Waste – von der Produktionsplanung bis hin zu Schulungen und regelmässigen Messungen. Gesunde Ernährung wird durch ausgewogene Menüs, Transparenz und attraktives Angebot insbesondere in der Gemeinschaftsverpflegung gefördert.

Doch bei der ZFV geht es nicht nur um Lebensmittel. Die Genossenschaft setzt sich ebenso für Chancengerechtigkeit und Inklusion ein, sowohl innerhalb der Belegschaft als auch in der Führungskräfteentwicklung. Zudem übernimmt sie soziale Verantwortung entlang ihrer Lieferketten, wobei faire Arbeitsbedingungen und langfristige Partnerschaften und kontinuierlicher Dialog mit Lieferant:innen im Vordergrund stehen.

Zusammen spiegeln diese Schwerpunkte ein ganzheitliches Verständnis von Veränderung wider: Nachhaltigkeit ist bei der ZFV kein Zusatz, sondern ein Leitprinzip. Die Genossenschaft ist sich bewusst, dass tägliche Entscheidungen – von der Menüplanung über die Beschaffung bis hin zu Arbeitspraktiken und Partnerschaften – konkrete Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft haben.

Verantwortung wird bei der ZFV nicht nur durch die Reduktion von Emissionen und Abfall übernommen, sondern umfassender verstanden: als Förderung gesünderer Essgewohnheiten, als Schaffung fairer und inklusiver Arbeitsplätze sowie als Transparenz und Verantwortlichkeit entlang der Lieferkette. Dieser ganzheitliche Anspruch ist kein neues Leitbild, sondern tief im genossenschaftlichen Zweck und im Gründungsgedanken der ZFV verankert.

Der Zweckartikel wurde bewusst zeitgemäss weiterentwickelt, um den gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen von heute gerecht zu werden. Er bringt den Anspruch der Genossenschaft klar auf den Punkt: “Gastfreundschaft für eine Gesellschaft, in der wir alle leben wollen“. Der Geschäftsbericht 2024 zeigt, wie dieser Gedanke seit der Gründung im Jahr 1894, initiiert von engagierten Frauen mit dem Ziel, gesellschaftliche Verantwortung durch Ernährung, Bildung und Gemeinschaft zu übernehmen, strategisch weitergetragen wird.

Bildquelle: Genossenschaft ZFV

Indem diese Verpflichtungen langfristig in der Unternehmensstrategie verankert sind, versteht die ZFV Nachhaltigkeit als kontinuierlichen Lern- und Entwicklungsprozess und als Führungsaufgabe über Generationen hinweg. So lebt der Pioniergeist der Gründerinnen auch heute weiter – in täglichen Entscheidungen, in innovativen Konzepten und in der bewussten Gestaltung von Begegnungsorten, wie wir sie selbst im Hotel Zürichberg erleben durften.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wo dieser Anspruch seinen Ursprung hat.

Porträt: Susanna Orelli-Rinderknecht – Sozialunternehmerin und Pionierin

Susanna Orelli-Rinderknecht (1845–1939) war eine wegweisende Schweizer Sozialunternehmerin, deren Wirken den Grundstein für Frauen in Führungspositionen, für die öffentliche Gesundheit und inklusive Beschäftigung legte.

Als Susanna Rinderknecht in Oberstrass in eine wohlhabende Bauernfamilie geboren wurde, erhielt sie eine umfassende Ausbildung. Ab 1885 widmete sie sich verstärkt der Sozialfürsorge und der Gemeindearbeit, engagierte sich in Vereinen zur Unterstützung entlassener Psychiatriepatient:innen und schloss sich der Abstinenzbewegung an.

Susanna Orelli-Rindknecht: Fun Facts

  • 1919 erhielt Orelli-Rinderknecht als erste Frau in der Schweiz von der Universität Zürich die Ehrendoktorwürde in Medizin.
  • Orelli-Rinderknecht war zudem die erste Frau, die auf einer Schweizer Briefmarke gewürdigt wurde.

Ihre wohl bedeutendste Errungenschaft gelang ihr im Jahr 1894. Sie war massgeblich an der Gründung des Zürcher Frauenvereins für Mässigkeit und Volkswohl beteiligt. Die Organisation eröffnete das erste alkoholfreie Restaurant der Stadt, inspiriert von englischen Kaffeehäusern. Dieses entwickelte sich rasch zu einem sozial innovativen und zugleich wirtschaftlich erfolgreichen Treffpunkt.

Orelli-Rinderknecht förderte das Wachstum der Genossenschaft und legte dabei nicht nur Wert auf die Förderung der öffentlichen Gesundheit, sondern auch auf verbesserte Arbeitsbedingungen für weibliche Angestellte – ein frühes und wegweisendes Beispiel für frauenzentrierte Arbeitsreformen.

Susanna Orelli-Rinderknecht, Bildquelle: Genossenschaft ZFV

Ihr Vermächtnis lebt bis heute nicht nur in der Genossenschaft ZFV, sondern auch in der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Schweiz weiter – als frühes Beispiel dafür, wie unternehmerisches Handeln mit sozialer Verantwortung und gesellschaftlichem Engagement verbunden werden kann.

Wie gesellschaftlicher Wandel heute weitergedacht wird, zeigt auch der Blick auf aktuelle Entwicklungen in der Gendermedizin.

Neuigkeiten vom Lehrstuhl für Gendermedizin – Rückblick seit Oktober 2025

Die letzten Monate waren für den Lehrstuhl für Gendermedizin von zahlreichen spannenden Entwicklungen geprägt:

Am 20.–21. Oktober fand in Bern das erste Swiss Gender Medicine Symposium statt. Rund 280 Fachpersonen und Stakeholder nahmen teil, präsentierten aktuelle Forschungsergebnisse und innovative Projekte und stärkten die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Das Symposium setzte ein deutliches Signal für inklusive Medizin und machte auf geschlechtsspezifische Lücken in Forschung, Diagnostik und Therapie aufmerksam.

Swiss Gender Medicine Symposium 2025 in Bern – Bildquelle: Lehrstuhl für Gendermedizin, Universität Zürich / Swiss Gender Medicine Symposium (Quelle: gendermed.uzh.ch/de/news.html)

Der Lehrstuhl hat zudem einen eigenen YouTube–Kanal gestartet, um Wissen zu Gendermedizin leichter zugänglich zu machen. In kurzen, klar aufbereiteten Videos wird erklärt, wie Sex und Gender Diagnose, Therapie und gesundheitliche Ergebnisse beeinflussen können. Mit englischen Untertiteln richten sich die Inhalte an ein internationales Publikum und fördern ein besseres Verständnis für geschlechtergerechte Medizin.

SRF News präsentierte ein digitales Portrait von Prof. Dr. Carolin Lerchenmüller, das Einblicke in ihre Lehrtätigkeit und Sprechstunde gibt. Ziel war es, Gendermedizin auch einem jüngeren Publikum näherzubringen und zu zeigen, wie sie in Bildung und klinische Praxis integriert wird.

Zwischenzeitlich veröffentlichte das Team eine Studie in Clinical Research in Cardiology, in der untersucht wurde, wie Sex und Gender in aktuellen kardiovaskulären Studien berücksichtigt werden. Die Ergebnisse zeigen bestehende Lücken auf, bieten aber auch Chancen, Chancengerechtigkeit und wissenschaftliche Qualität in der Forschung zu stärken.

Zuletzt hat sich der Lehrstuhl personell erweitert: Im November ist Dr. med. Jeanne Moor als Research Fellow zu unserem Team gestossen. Sie ist in Forschungsprojekte eingebunden, betreut Studierende, wirkt in der Lehre mit und hält Vorträge. Ihre Arbeit konzentriert sich auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das Wohlbefinden von Ärztinnen und Ärzten sowie Karriereverläufe in der Medizin.

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